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Bruder Jörg Brendle
  • *1948 in Empfingen am Rand des Schwarzwalds
  • Eintritt: 1978
  • Beruf: Krankenpfleger, Medizinisch-technischer Assistent (Labor)
  • Arbeitsbereich: Schlosserei im Rittergut Limbach in Sachsen

Was, so lebendig kann Kirche sein? Als ich Mitte 20 bei einer Veranstaltung des Offenen Abends Stuttgart den Motorradrennfahrer und Evangelisten Helmfried Riecker erlebte, war ich wirklich erstaunt. In einer Mensa hatte ich einen Einladungszettel gefunden und wollte mir die Veranstaltung nur mal ansehen – dieser Zettel hat dann aber letztlich eine totale Lebensveränderung bei mir ausgelöst. Bis zu diesem Tag war Kirche (ich bin katholisch) für mich etwas Verstaubtes, wo sich kein vernünftiger junger Mensch aufhält. Bei den Veranstaltungen des Offenen Abends aber erlebte ich es ganz anders und fand so selbst in einer Lebenskrise zum Glauben an Jesus Christus.

Mitarbeiter des Offenen Abends halfen mir dann auch bei wichtigen Weichenstellungen: Sie ermutigten mich, den Beruf des Krankenpflegers zu lernen. Und sie machten mir Mut, bei einer Station der Christusträger mitzuhelfen. Schon vorher hatte ich Christusträger bei Veranstaltungen erlebt, z.B. erinnere ich mich noch genau daran, wie Bruder Reinhart im Offenen Abend von einer Erkundungsreise in den Kongo berichtete, weil die Brüder damals über eine Mitarbeit in diesem afrikanischen Land nachdachten. Damals sprang noch kein Funke auf mich über. Aber als ich 1978 (kurz vor Ende meiner Ausbildung) eine Woche in Ralligen verbrachte, wurde ich tief angerührt. Die humorvolle, angenehm normale Art der Brüder und ihr geistliche Gemeinschaft sprachen mich sehr tief an. Ich fühlte mich ganz überraschend wie Zuhause. Erst ließ ich mir noch etwas Zeit, dann meldete ich mich bei den Brüdern und wollte einer von ihnen werden.

Als Bruder arbeitete ich zunächst in meinem Beruf als Krankenpfleger, dann machte ich die Ausbildung zum MTA, um in Vanga den Laborbereich modernisieren zu können. Der erste Tag in Afrika war für mich eher ängstlichen Menschen schon eine Herausforderung: Als sich die Flugzeugtür öffnete, beschlug meine Brille. Die feucht-heiße Waschküchenluft schlug mir so auf den Kreislauf, dass ich beim Aufstehen oft Sternchen vor den Augen sah. Doch ich wuchs hinein in das Land und in meine Aufgabe.

Im Laufe der Jahre konnte ich an die einhundert einheimische Mitarbeiter zu Laborkräften ausbilden. Die drei Besten durften sich mit Stipendien an der staatlichen Hochschule für Medizintechnik qualifizieren und machen seither gute Arbeit. Wer in den Genuss einer solchen Ausbildung gekommen ist, kann seine Familie von da an selber versorgen. Das ist nachhaltige Entwicklungshilfe. Ich fühlte, dass ich hier gebraucht wurde und etwas für die Armen bewegen konnte.

Natürlich gab es auch Enttäuschungen und negative Erfahrungen; die afrikanische Mentalität und auch manche Eigentümlichkeiten in Kirchen und bei gläubigen Menschen konnte ich nur mit Kopfschütteln erleben. Aber ich habe in Vanga auch sehr beeindruckende Christen mit einer starken Ausstrahlung kennengelernt, die bescheiden ihre Arbeit taten. Einer von ihnen brannte so sehr darauf, allen Menschen die Frohe Botschaft weiterzusagen, dass er sogar Patienten bei der Blutabnahme noch das Evangelium sagte. Während meiner Zeit in Afrika habe ich auch meine katholische Kirche ganz neu kennen und auch schätzen gelernt.

Nach 23 Jahren in Vanga arbeite ich jetzt seit einigen Jahren in Sachsen. Im Rittergut Limbach kann ich mich auf vielfältige Weise nützlich machen. Weil ich ein Handwerker-Typ bin, arbeite ich gerne in der Schlosserei, organisiere die Werkzeugausgabe, halte Maschinen in Schuss, führe Gäste durchs Haus und berichte auch bei Veranstaltungen über unsere Arbeit mit Langzeitarbeitslosen und Jugendlichen, die wenig Perspektive haben. Es fällt mir nicht leicht, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die aus schwierigen Familien stammen und völlig ohne Motivation sind. Doch manchmal kann ich auch erleben, wie sich durch die gemeinsame Arbeit ganz allmählich etwas in der Persönlichkeit des Mitarbeiters bewegt. Neben der Arbeit in der Stiftung „Leben und Arbeiten“ fühle ich mich auch in der Kirchengemeinde wohl, besuche dort einen ökumenischen Hauskreis und arbeite z.B. bei der Friedenswoche mit.

Für meine Jahre als Christusträger-Bruder bin ich sehr dankbar. Ich freue mich darüber, dass die Bruderschaft sich in den letzten Jahren geöffnet und in manchen Bereichen neu ausgerichtet hat. Gerne lebe ich auf der Station in Sachsen, aber ich freue mich auch über die gute Beziehung zu all den anderen Brüdern.

Dies & das

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