Christusträger Bruderschaft

Post aus Kabul

Ein besonderer Gruß direkt aus Kabul. Dort ist Br. Christian gerade zu Besuch bei den beiden Brüdern vor Ort. Er schreibt:

Vor unserer Klink in Kabul – © Br. Christian Hauter, 2016
Vor unserer Klink in Kabul – © Br. Christian Hauter, 2016

Was hat sich wohl verändert seit meinem letzten Besuch hier vor zwei Jahren? Gleich geblieben ist, dass das Leben in den Straßen pulsiert. Die Zahl der Bewohner der afghanischen Hauptstadt steigt von Tag zu Tag, auf Grund der Flüchtlinge und auch weil viele Afghanen aus Pakistan zurückgeschickt werden. Mir fällt auf: Die Mauern sind noch höher geworden – Ausdruck und Folge der schwierigen Sicherheitslage. Auch den Garten unserer Klinik mussten wir besser sichern und den Zaun drum herum erhöhen, vor allem weil vor drei Monaten eingebrochen wurde. Aber seitdem ist es friedlich in unserem Garten.

Ein Freund, der an einer Hochschule in Kabul unterrichtet, meinte, in den fünf Jahren in denen er dort arbeitet, habe sich das Niveau der Studienanfänger verbessert, man würde Fortschritte merken. Wir hoffen sehr, dass er Recht hat, denn gute Nachrichten sind hier in Afghanistan eher rar. Zumindest was die grundsätzliche Lage anbelangt. In der Einzelbegegnung und im Miteinander gibt es auch viel Schönes. Ich kann beobachten: Spielen und Lachen tut sowohl die Afghanen als auch unseren Brüder hier weiterhin gut.

Riesige Sicherheitsmauern – © Br. Christian Hauter, 2016
Riesige Sicherheitsmauern – © Br. Christian Hauter, 2016

Aber die Not ist nicht zu übersehen. Neben dem regulären Betrieb in Klinik und Werkstatt unterstützen die Brüder und ihre Mitarbeiter (dank der Gaben unserer Freunde) 180 Bedürftige jeden Monat mit einer Art Sozialhilfe. Im Schnitt etwa 10 € im Monat erhalten die Empfänger als regelmäßige Gabe zusätzlich zur medizinischen Hilfe. Das ist für Familien mit niedrigem Einkommen eine echte Unterstützung zum Leben.

Geld ist eines der größten Themen hier im Land. Gerade hat die Afghanistan-Geberkonferenz in Brüssel für die nächsten Jahre wieder viele Milliarden zugesagt. Die werden auch bitter nötig gebraucht hier im Land. Aber leider ist es auch sehr bitter dass das Geld in vielen Fällen nicht die Bedürftigen erreicht. Korruption ist in Afghanistan neben der Sicherheitslage der Haupt-Entwicklungshemmer. Ein Juraprofessor, den ich beim Empfang in der deutschen Botschaft am 3. Oktober kennengelernt habe, meinte, das viele Geld, das wir aus dem Westen ins Land gebracht haben, hat die Probleme noch vergrößert. Wir haben Afghanen 3000 $ im Monat gezahlt nur dafür dass sie einigermaßen englisch sprechen und das in einem Land wo 200 $ schon ein guter Lohn ist. Damit haben wir den Afghanen nicht geholfen.

Umso mehr bin ich beeindruckt von allen, die nahe an den afghanischen Bedingungen und Realitäten mit den Menschen gemeinsam an deren Zukunft bauen. Dazu gehören zum Beispiel die Ordensleute, die im Land sind. Aber auch andere wie Alberto Kairo, der im Auftrag des Roten Kreuzes mehrere große Prothesenwerkstätten im Land betreibt.

Gott sei Dank gibt es solche engagierte Menschen, die sich hier in Afghanistan für die einsetzen denen sonst keiner hilft. Und Gott sei Dank können wir auch einen Beitrag dazu leisten.

Herzlichen Gruß aus Kabul

Br. Christian Hauter, 07.10.16

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