Christusträger Bruderschaft

Bruder Peter Pyrdok

Bruder Peter ist seit 1979 bei den Christusträgern. Er lebt in Ralligen. Dort begleitet er Gruppen und ist für die Außenanlagen verantwortlich.

Bruder Peter Pyrdok
Bruder Peter Pyrdok
  • Geburt 1959 in Steinheim/Albuch bei Heidenheim/Brenz
  • Eintritt 1979
  • Beruf Gärtner
  • Arbeitsbereich Garten und Gästebegleitung in Ralligen/Schweiz

Meine fünfeinhalb Lebensjahrzehnte im Rückblick sind gekennzeichnet von der Suche nach tiefem Lebenssinn, Lebensglück und Lebenserfüllung.

Die ersten Samenkörner des Glaubens hat wohl meine Tante in meiner Kinderseele hinterlassen. Wenn sie uns besuchen kam, dann hat sie mit mir und meiner Schwester (ich bin der Älteste von Vieren) gebetet. Die Predigten in den Messen (ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen, inzwischen aber in die evangelische Kirche konvertiert) fand ich als Kind sterbenslangweilig, und auch sonst entwickelte sich kein persönlicher Bezug zum Glauben.

Mit 17 Jahren wurde ich im Bus (bei die Fahrt zur Arbeitsstelle) von einer jungen Frau angesprochen. Sie lud mich ein zu einer Evangelisation mit Anton Schulte, doch das interessierte mich keineswegs. Ich lebte nach dem Motto: Ich glaube nur das, was ich sehe. Doch die junge Frau ließ nicht locker und lud mich in einen Workshop ein, der seine Produkte für ein Entwicklungshilfeprojekt in Argentinien verkauft. Das sprach meine kreative Ader an. Beeindruckt hat mich dort die Gemeinschaft mit den jungen Leuten. Sie verbreiteten eine Atmosphäre, die mich anzog, die ich noch nie so erlebt hatte. So war dann der Schritt in den christlichen Jugendkreis möglich und meine Beziehung zu Jesus begann sich zu entwickeln.

Noch im gleichen Jahr lud die evangelische Kirchengemeinde zu einer Jugendfreizeit ins Schloss Ralligen bei den Christusträger-Brüdern ein. Und schon damals dachte ich: Dieser Lebensstil könnte auch etwas für mich sein.

Dabei passe ich als Typ kein bisschen in das Bild, das man sich vielleicht von einem »Klosterbruder« so macht: Ich sehe mich selbst als dynamisch, kreativ, unkonventionell, manchmal ganz schön frech und auf jeden Fall unangepasst – Charakterzüge, die man in einer Bruderschaft eher nicht erwartet. Meine Freiheitsliebe, meine direkte Art und meine gelegentliche Lust an der Provokation machen meinen Brüdern sicher manchmal zu schaffen. Auf der anderen Seite bin ich auch jemand, der Verantwortung übernimmt und sich wirklich einsetzt, wenn mir eine Sache wichtig ist.

Durch alle persönlichen Krisen und Schwierigkeiten der Bruderschaft hindurch habe ich immer tiefer verstanden und innerlich bejaht: Hier ist mein Platz, hier setze ich mich gerne für Jesus ein. Diese Gemeinschaft ist tragfähig, und ich trage gerne mit.

Dazu hat es mir geholfen, dass ich mich in einem längeren Prozess von Seelsorge und therapeutischer Begleitung intensiv mit mir selbst beschäftigt habe. »Bei dir tut sich etwas!«, meldeten mir die Brüder danach zurück, und ich möchte, dass ich auch weiterhin in Bewegung bleibe und immer gemeinschaftsfähiger werde mit Ecken und Kanten.

Heute bringe ich mich in verschiedenen Bereichen gerne ein, so wie ich bin: Bei den manchmal erstaunlich offenen Gesprächen mit Spaziergängern, die mich während der Gartenarbeit ansprechen. Wenn es darum geht, die Räume in unserem Ralligschlösschen zu dekorieren und schön zu gestalten. Oder im Kirchengemeinderat von Sigriswil, wo ich (als Ausländer in der Schweiz) schon lange mitarbeiten und mitgestalten darf. Meinen Dienst in Ralligen empfinde ich auch als Unterstützung für die Brüder in Vanga. Denn bei einem Aufenthalt dort habe ich bewegende Erfahrungen gemacht und die Armen dieser Welt in den Blick bekommen. Diese Zeit in Vanga hat meinen Horizont geweitet und mich glücklicher gemacht.

Ein Herzensmensch (den Kopf gibt’s auch) bin ich, einer, der emotional ist, der oft aus dem Bauch heraus handelt, der tut, was ihm am Herzen liegt – spontan und impulsiv. Ich brauche meine Herausforderungen und Gott sorgt schon dafür, dass mir nicht langweilig wird. So will ich noch eine Weile mit meinem Lebensschiff leben und arbeiten. Ich freu mich aber auch schon auf den Himmel, wenn das Lebensschiff dort ankommt.

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