Christusträger Bruderschaft

Schweißen im »Blindflug«

Im November packten Br. Hans und drei ehrenamtliche Fachleute einige Wochen lang im Buschkrankenhaus Vanga zu. Br. Gustav hat ihren Einsatz so erlebt:

Wir hatten Halterungen zu schweißen, ganz einheimisch, im Sand vor dem Generatorenhaus. Mit einem Schweißgerät, bei dem man das Massekabel um das Werkstück knoten muss, weil keine Klemme mehr vorhanden ist. Am Anfang schweißten wir im vollen »Blindflug«, da es keine Anzeige für die Schweißstromstärke mehr gibt. Das bedeutet: Wenn man beim Schweißen ein Loch ins Rohr brennt, war die Schweißstromstärke wohl zu groß. Also dann auf Verdacht die Schweißstromverstellung ein, zwei, vier Umdrehungen zurückdrehen. Mit der Zeit kriegt man so den Punkt heraus, an dem die chinesischen Elektroden einigermaßen schweißbar sind.

 

Dieser Bericht von Bruder Hans zeigt ein Beispiel für die Herausforderungen, vor die unser Techniker-Einsatzteam tagtäglich gestellt ist. Vier Fachleute aus unserem Freundeskreis haben eine Reise zu uns in den Kongo gewagt, um der Mission Vanga im Bereich des Technischen Dienstes beizustehen.

Sie kommen aus verschiedenen Ecken in Deutschland, sind verschiedenen Alters (30 bis 66) und haben auch einen unterschiedlichen Erfahrungsschatz, sowohl in der Fachkompetenz wie auch an Auslandserfahrung. Bruder Hans, Maschinenbau-Meister, war vor neun Jahren schon einmal hier. Harald, sehr erfahrener Elektriker, leistet seinen vierten Einsatz in Vanga, seit seiner Pensionierung kann man ihn noch flexibler einplanen. Walter, Elektroingenieur mit großer Einsatzbereitschaft im handwerklichen Bereich, seit kurzem in Altersteilzeit, hat uns seine neuen Freiräume angeboten. Und Werkzeugmacher-Meister Jo, zwar der Jüngste, aber in puncto Auslanderfahrung auch schon mit allen Wassern gewaschen; nachdem er mehrere Jahre auf den Weltmeeren herumgeschaukelt ist, kann ihn nun auch der zentralafrikanische Busch nicht erschüttern.

Afrikanische Arbeitsbedingungen

Wie mühevoll sich die praktische Arbeit für die vier unter den afrikanischen Bedingungen gestaltet, hat ja schon das kleine Beispiel zu Beginn gezeigt. Doch Schweißen im Blindflug ist hier bei uns kein Einzelfall. Mit solchen Überraschungen müssen die Techniker (im Übrigen ja wir alle hier) immer wieder fertig werden. Bei Reparaturen und Wartung der Generatoren für die Stromversorgung, beim Blitzschutz gegen die heftigen tropischen Gewitter, beim besseren Einstellen der Batterien, mit denen der tagsüber im Überfluss anfallende Solarstrom gespeichert werden soll, bei der Schulung der Mitarbeiter in für sie neuen Anforderungen und Verfahrensweisen.

Das alles selbstverständlich in der Hitze der schwülen Tage, welche aber z. B. den unverwüstlichen Jüngsten zwischen Arbeitsschluss und Einbruch der Dunkelheit auch nicht vom Fußballspielen mit dem flinken Vanga-Nachwuchs abhalten kann.

Der Tageslauf in der kleinen Zelle unserer Gemeinschaft erfordert wohl auch ein wenig Umstellung: da sind die Gebetszeiten auf der Terrasse vor dem tropischen Wildwuchs unseres Gartens, oder in den Runden um den Esstisch die manchmal fremdartigen einheimischen Speisen – aber auch die wahre Fülle von tropischen Früchten.

Die Experten aus dem fernen Deutschland haben in Vanga eine ganze Menge geschafft. Br. Hans berichtet:

Mit unseren Projekten sind wir sehr gut voran gekommen. Wir haben den neuen großen zentralen Schaltschrank eingebaut und in Betrieb genommen. Das Generatorenhaus  verfügt nun über eine neue, stabile zentrale Kraftstoffversorgung. Dann haben wir beide Dieseltanks im Generatorenhaus gereinigt. Zwischen den verschiedenen Projekten haben sich Harald und Walter um die  Photovoltaikanlagen gekümmert, den Blitzschutz in der Kinderstation des Krankenhauses  verbessert, ein Sauerstoffgerät repariert usw. Wie du siehst ist es uns bisher in Vanga noch nicht langweilig geworden.

Der nächste Einsatz kommt bestimmt

Über fünf Wochen dauert dieser Einsatz insgesamt. Aber eines der geplanten Projekte konnte nicht angepackt werden: Die Kiste mit dem neuen Schaltschrank für die Elektroversorgung der Station war zwar schon Anfang Juni von Deutschland aus per Seefracht aufgegeben worden, aber seit August hängt sie im kongolesischen Seehafen Matadi im Zoll fest. Als tröstliche Überraschung haben wir dafür soeben die folgende Sendung auspacken können, welche die erste überholt hat. Und das, obwohl wir informiert worden waren, sie sei schon in Antwerpen hängen geblieben …

Der Schaltschrank muss so also auf ein nächstes Mal warten. Hoffentlich kommen Br. Hans, Harald oder einer der anderen bald mal wieder vorbei. Wir hier in Vanga sind den vier Fachleuten dankbar für ihren engagierten Einsatz. Sie sorgen dafür, dass im Krankenhaus und Drumherum Strom zur Verfügung steht. Hier im Busch kann das für manchen Patienten für Leben und Tod entscheiden.

Br. Gustav, 23.11.17

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