Christusträger Bruderschaft

Bruder Reto Steiner

Bruder Reto ist seit 1971 bei den Christusträgern. Er lebt in Ralligen und setzt sich dort im Haus in verschiedenen Bereichen ein.

Bruder Reto Steiner
Bruder Reto Steiner
  • Geburt 1947 in Olten, Schweiz
  • Eintritt 1971
  • Beruf Krankenpfleger
  • Arbeitsbereich Küche in Ralligen, Schweiz

Mit 17 habe ich meine kaufmännische Lehre in einer Speditionsfirma begonnen. Verkehr interessierte, ja, faszinierte mich. Ich konnte mir gut eine Beamtenlaufbahn vorstellen bei der Post oder bei der Bahn. Ein gutes und sicheres Einkommen, Leben in einem schönen und friedlichen Land: Das waren meine Ideale.

In der Jugendgruppe hörte ich: Es gibt einen Gott. Nun, da hatte ich auch keinen Zweifel dran. Aber was hatte das mit mir zu tun? Vom Konfirmandenunterricht wusste ich ja so einiges. Aber ist das schon »Glauben«? Meine Freunde sagten, dass es noch etwas anderes gibt. Man kann zwar über Gott viel wissen, aber wesentlich ist die Begegnung mit Jesus – sagten sie.

Ich wollte diese Erfahrung auf jeden Fall auch machen. Begegnen meint ja, dass man auf einander zugeht. Genau das habe ich erfahren. Plötzlich war er da, dieser Jesus, und hat mir seine Hand entgegengestreckt. Das war nicht der Beginn einer oberflächlichen Beziehung, sondern es war der Beginn einer wertvollen Freundschaft fürs Leben.

Den Weg mit Jesus gehen, das war ein neuer Aspekt in meiner Lebensplanung. Ich lernte zu fragen: Was sagt Jesus zu meinen Weichenstellungen und Entscheidungen? Kennt er vielleicht noch andere, bessere Wege für mich? Das beschäftigte mich.

Deutlich wurde mir das gegen Ende meiner kaufmännischen Ausbildung: In dem Geschäft herrschten raue Sitten, die nicht meinen christlichen Idealen entsprachen. Jesus hätte da nicht mitkommen können, empfand ich damals. Deshalb wollte ich »umsteigen«. Aber welchen Weg wollte Jesus mit mir gehen? Diese Frage beschäftigte mich. Und so kam ich zur Krankenpflege.

Und weiter gingen wir einen Weg, den ich selber sicher nicht gewählt hätte: in die Bruderschaft, nach Afghanistan.

Wie lang der Weg in Afghanistan werden würde, wusste ich anfangs natürlich nicht. 37 Jahre waren Jesus und ich unterwegs in Afghanistan. Es waren raue Zeiten. Aber ich war nicht allein – das habe ich oft erlebt:

Damals, als uns die Russen einmal abholten und verhafteten unter dem Verdacht, wir wären »subversiv« tätig gewesen. Als wir im Hubschrauber ins Untersuchungsgefängnis geflogen wurden, waren es der plötzliche innere Frieden, die Ruhe und die Gelassenheit, die sich in mir breit machten und mir die Gewissheit gaben: Jesus ist da.

Oder damals, als die Rakete in unser Haus einschlug. Und wir durch Staub und Dreck, über Scherben und Granatsplitter ins Freie kamen und wussten: Jesus hat uns einmal mehr bewahrt. Er hatte seine Hand über uns!

Oder jedes Mal, wenn ich mir bewusst mache: All die Jahre hindurch konnten wir zig-tausend Menschen in der größten Not mit Lebensmitteln versorgen. Hunderte von Leprakranken, tausende Tuberkulose-Patienten und viele andere Leidende bekamen Hilfe oder wurden völlig gesund. Ich denke dankbar daran zurück, weil es so offensichtlich ist, dass nicht wir so viel tun konnten, sondern dass Jesus so viel gemacht hat.

Seit 2008 bin ich zurück in der Schweiz und arbeite in Ralligen. Ich bin dankbar, dass ich diesen Weg mit Jesus gehen konnte und bis heute gehen kann. Ein Glück, dass ich nicht vor ihm davongelaufen bin!

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