Dem Leid nicht ausweichen
Bruder Reinhart hat oft betont: Die Hoffnung für dieses und für ein zukünftiges Leben gründet nicht auf uns, sondern einzig und allein auf der Gnade und Treue unseres Herrn Jesus Christus. Bruder Reinhart war tief im Glauben gegründet. Er wusste: Genau deshalb, weil unsere Hoffnung sich auf Jesus Christus allein gründet, kann uns niemand die Hoffnung wegnehmen.
Br. Reinhart war ein Mensch, der dem Leid nicht ausgewichen ist. Auf die Frage, wie er es aushält, als Arzt im Kongo so viele unterernährte Kinder und auch erwachsene Patienten zu sehen, denen man nicht wirklich helfen kann, antwortete er: „Wenn ich nicht glauben könnte, dass diese armen Geschöpfe einmal bei Gott großen Trost finden für das Leid, das sie hier auf Erden erleben, dann könnte ich das nicht aushalten.“
Zu seinem 65sten Geburstag hat er folgende Worte aufgeschrieben:
Obwohl ich von persönlichem Leid verschont geblieben bin, gehört das Leid der Menschen wesentlich zu meinem Leben. In großer Unterschiedlichkeit bin ich menschlichem Elend begegnet: entstellten Leprakranken, Flüchtlingen ohne Hoffnung auf Zukunft, schwerstunterernährten Müttern und Kindern, Aidskranken.
Was ist der Mensch? Ich denke: ein Wesen, das angelegt ist, zu lieben und geliebt zu werden. Es gehört zu meiner Biographie, daß ich viel Liebe erfahren habe, deshalb bin ich ein in Pflicht Genommener. Das, was ich tue, ist Abtragen einer Dankesschuld.
Wie schlecht und fragmentarisch dies Abtragen vor sich gegangen ist, weiß niemand besser als ich. Mein Herr ist so gütig gewesen, daß Er mir nie die Möglichkeit einräumte, stolz oder hochmütig zu werden. Er ließ mich immer schnell an meine eigenen Grenzen stoßen. Aber ER verlor nie die Geduld und die Hoffnung, und so durfte ich bis heute weitermachen.
Die Erfahrung der Treue Jesu Christ
Ohne Christus gäbe es keine Hoffnung. Ich stehe oft am Bett sterbender Menschen. Wenn ich mit ihnen das letzte Gebet gesprochen habe und sie mit Amen schließen, verlasse ich sie in jenem Frieden, der höher ist als alle Vernunft. Nur Jesus Christus kann ihn schenken.
Welch ein Geschenk und von welcher Bedeutung das Leben eines jeden von uns ist, bleibt ein Geheimnis. Zu meinem Leben gehört als Wesentlichstes die Erfahrung der Treue Jesu Christi, die wie ein roter Faden die Wege meines Lebens begleitet. Christus ist mein Leben, das ist mein Bekenntnis größter Aufrichtigkeit.
Ohne Jesus Christus wäre mein Leben sinnlos, ohne Fundament, ohne Orientierung. Christus, der Lebendige, der Wahrhaftige, der treueste Freund und Bruder, Heiland und Erlöser. IHM allein habe ich alles zu verdanken, was mich zum Leben und Lieben befähigt: die Vergebung meiner Schuld, Glauben, Hoffnung, Liebe. Christus ist die Kraft in mir, nichts kommt aus meiner eigenen Armseligkeit. ER, der selbst zum Mann der Schmerzen wurde, Schuld und Leid aller Menschen und Zeiten auf sich genommen hat, nennt die Leidtragenden selig: denn sie sollen getröstet werden.
Von Gott getröstet werden, übersteigt das Maß des Vorstellbaren. Christus Jesus ist uns von Gott gemacht zur Weisheit und zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung.
Christi Blut und Gerechtigkeit,
das ist mein Schmuck und Ehrenkleid,
damit will ich vor Gott bestehn,
wenn ich zum Himmel werd eingehn.
Letzte Worte
Im Jahr 2008, kurz vor seinem 72sten Geburtstag, schrieb er eine Art „geistliches Testament“ auf, sieben „Letzte Worte“:
1) Dank an euch meine lieben Brüder für das mir gewährte Geschenk der Gemeinschaft und des Vertrauens, für unzählige Hilfen, Aufmerksamkeiten, Erweis brüderlicher Liebe und Vergebung, Ermutigung und Korrektur. Dank für den Freiraum zu Freundschaften ausserhalb des Brüderkreises.
2) Bleibt in der „Ersten Liebe“ zu Jesus Christus, das ist das Allerwichtigste in unserem Leben.
3) Nutzt die Zeit. Füllt sie mit dem, was wichtig und notwendig ist, neben der täglichen Arbeit mit Gebet und Studium der Heiligen Schrift.
4) Bezeugt das Heil in Jesus Christus vor möglichst vielen Menschen.
5) Seid Zeugen der erfahrenen Treue Jesu Christi, Zeugen der Treue des Dreieinigen Gottes.
6) Übt Barmherzigkeit miteinander und an allen Menschen.
7) Vergesst die Armen nicht.
Gelobt sei Jesus Christus,
unser wunderbarer Gott und Herr,
treuer Heiland und Erlöser.
Bruder Reinharts Leben im Überblick
- Am 16. Mai 1936 in Remscheid geboren
- 1956 Abitur am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, Remscheid
- 1956-62 Studium der Medizin an der Universität Köln
- 1962-65 Medizinalassistent und Assistenzarzt
- 10.1.1966 Eintritt in die Evangelische Bruderschaft Christusträger
- 1966-69 im Auftrag der Bruderschaft Arzt in Pakistan: Leprahospital Karachi-Manghopir, Leprahospital Rawalpindi
- 1969-75 Arzt in TamKy / Süd-Vietnam, tätig im Kinderkrankenhaus, Waisenhaus und Flüchtlingslager
- 1976-79 im Auftrag der Bruderschaft Arzt in Kinshasa / Kongo,
- 1980 bis 2014 Arzt im Missionskrankenhaus Vanga
- 2014 bis 2020 leben im Ruhestand in Triefenstein
- März 2020 bis März 2026 leben bei seiner Schwester in Remscheid
- Am 12. März 2026 in Lohr verstorben
